Athletes on Air – Olympia Spezial – Jeannine Rosner

Vom Klassenzimmer auf die größte Bühne der Sportwelt
„Eine unvergessliche Zeit, die man nie mehr vergisst.“

Mit acht Jahren beginnt ihre Reise – nicht mit einem großen Plan, sondern mit Neugier. Freunde nehmen sie mit zum Training, erstmal ganz entspannt ausprobieren … Doch irgendwann wird klar: Der Sport, der sie wirklich nicht mehr loslässt, ist das Eisschnelllaufen – im Winter auf dem Eis, im Sommer auf den Inlineskates. Ihre beiden vorherigen Hobbies, das Judo und das Skifahren, lässt sie dafür hinter sich.

Was als Spaß begann, wurde Schritt für Schritt mehr. „Es hat mir einfach am meisten Spaß gemacht“, sagt sie rückblickend. Und manchmal sind genau diese einfachen Gründe die stärksten.

Der Weg nach oben – ohne Masterplan

Einen einzelnen Schlüsselmoment, in dem plötzlich alles klar war, gab es nicht. Vielmehr war es ein Prozess. Die Entscheidung für den Leistungssport fiel ihr nicht schwer, da sie immer schon enormen Spaß daran hatte und einfach von Natur aus sehr ehrgeizig ist. Ganz unbewusst wurde das Training intensiver, die Ziele größer und der Alltag strukturierter.

Und dann kommt plötzlich diese eine Saison, die alles verändert.

Für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen in Milano Cortina musste sie in dieser Saison bei jedem Weltcup starten. Reisen, Training, Wettkämpfe, Schule – alles gleichzeitig. Wie sie das geschafft hat? „Eigentlich weiß ich das selbst nicht so genau“, sagt sie ehrlich. „Ich hab’s einfach gemacht.“ Was dahinter steckt, wird schnell klar – Disziplin, Eigenverantwortung und die Fähigkeit, immer wieder selbstständig aufzuholen, was liegen geblieben ist.

Ja, ganz richtig gelesen … Jeannine geht aktuell noch zur Schule und befindet sich gerade in der Maturaklasse am SportBORG Innsbruck. „Hoffentlich ist das Ende dieser erfolgreichen Saison, die positiv abgeschlossene Matura. Dann war dieses Jahr perfekt. Aber natürlich wäre das alles alleine kaum möglich gewesen. Die Lehrer:innen an der Schule zeigten sehr viel Verständnis, die Mitschüler:innen schickten mir viele Unterlagen und helfen mir beim Nacharbeiten“, berichtet Jeannine. Auch im privaten Umfeld überwiegt die Unterstützung deutlich. „Es wurde immer respektiert und unterstützt, dass ich alles dem Sport unterordne, dass ich nicht da bin und nicht so viel Zeit für Freizeitaktivitäten habe“, erzählt sie. Ein absolut entscheidender Faktor, denn Leistungssport braucht nicht nur Talent, sondern auch ein motivierendes, stabiles und rücksichtsvolles Umfeld, das diesen Weg mitträgt.

Und wenn alle Faktoren zusammenspielen, kann ganz Großes geschaffen werden … Dieser Durchbruch kam in Salt Lake City mit einen ganz starken Weltcup-Rennen & neuem Junioren-Weltrekord … das bedeutete die erste Olympia-Qualifikation für Jeannine!

Von da an weiß sie, es kann nur mehr noch besser werden. Der Fokus lag natürlich auf weiteren Qualifikationen, aber auch auf der gesamten Saison selbst. Es folgten weitere wichtige Rennen, denn jedes einzelne zählt. „Es war keine reine Vorbereitung auf die olympischen Spiele – es war der Weg dorthin und auch der Weg, den Grundstein für die nächsten Jahre zu legen.“

Leider hat sie dann doch noch ein kleiner Rückschlag getroffen … ganz kurz vor dem ersten Start wurde sie krank. „Dort dann nicht die volle Leistung abrufen zu können, ist echt bitter. Aufgebaut habe ich mich aber mit dem Gedanken, dass meine Saison und meine Leitungen bisher schon richtig gut waren. Ansonsten könnte ich nicht hier unter den weltbesten Athlet:innen stehen.“  Absolut richtig … und deshalb wollten wir auch einen genauen Einblick in ihre ersten olympischen Spiele in Milano Cortina erhalten. „Die Ankunft im Olympischen Dorf war zunächst eigentlich eher unspektakulär, sogar ein bisschen depressiv und grau, weil es total geregnet hat. Doch natürlich wurde uns allen ganz schnell klar, dass das hier etwas Besonderes ist.“

Weiters berichtet Jeannine, dass das Dorf kleiner als erwartet war, dafür aber extrem gemütlich. Alles liegt ganz nah beieinander und in der Mitte des Dorfes gab es zahlreiche coole Treffpunkte. Einer der Lieblingsorte von Jeannine war die „Corona Zero Bar“, wo man in der Sonne sitzen und einfach den Moment genießen konnte. „Dieser Treffpunkt war richtig gemütlich und angenehm. Dort hat man sich getroffen und das Flair des Dorfes genossen.“ Dort wurde auch die weitere, große Besonderheit der olympischen Spiele für sie ganz klar ersichtlich … „Man sitzt einfach zwischen Weltstars, isst mit ihnen gemeinsam, kann sich austauschen und auch das ein oder andere Foto mit ihnen machen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl zwischen Menschen zu sitzen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Am einen Tag gewinnen sie Gold und am nächsten Tag sitzt man beim Abendessen neben ihnen. Das war schon etwas ganz Besonderes für mich.“

Sie beschreibt auch noch weitere Dinge, die ihr für immer in Erinnerung bleiben werden- Auch hier zeigt sich, es sind oft die kleinen Dinge, die zählen:

  • Das erste Training in der olympischen Halle
  • Der Wettkampf vor voller Tribüne, wie es sie sonst nur in Holland gibt
  • Der Austausch von Pins mit den Athlet:innen aus aller Welt

Und … „Auch viele Überraschungen im Dorf gehörten zum Alltag dazu. Zum Bespiel spezielle Geschenke oder Erlebnisse, die nur den aktiven Athlet:innen vorbehalten sind. Wir haben einfach eine Oakley Brille geschenkt bekommen, konnten Coca-Cola Dosen mit unserem Foto gravieren lassen … Solche Dinge zu erleben, ist natürlich was ganz Besonderes und das wird man so schnell nicht mehr vergessen.“

Jeannine lässt uns aber auch an den nicht perfekten Dingen teilhaben, die man im Fernsehen vielleicht nicht immer sieht. „Das Essen entspricht nicht ganz den Erwartungen und war auch nicht ganz optimal für Sportler:innen. Die Zimmer waren extrem klein. Aber das spielt am Ende keine große Rolle“.

Zurück im Alltag – mit neuen Zielen

Was sich manche vielleicht nicht ganz vorstellen können und auch nicht für alle Leistungsportler:innen ganz normal ist … der Alltag kam nach Olympia schneller zurück, als, dass sie alles richtig realisieren konnte … Sie kehrte zurück – nicht nur ins Rampenlicht, sondern ins Klassenzimmer. Hausaufgaben, Prüfungen, Matura. „Mein Leben ging am nächsten Tag ganz normal weiter.“, sagt sie. Und genau das macht ihre Geschichte so greifbar und soll junge Sportler:innen auf ihrem Weg begleiten. Olympia ist kein Endpunkt, sondern ein Teil des Weges.

Die nächsten Spiele? Natürlich schon im Blick. 😉 Druck? Den verspürt sie kaum, denn als eine der Jüngsten im Team werden die Erwartungen von außen noch niedriger gehalten. Auch bei den olympischen Spielen wusste sie „Der Verband, mein Umfeld usw. setzten mich nicht unter Druck, sie haben mich voll und ganz unterstützt und das Ziel war, zu zeigen was ich kann und das Bestmögliche herauszuholen. Und ich glaube, genau das hat mir geholfen und war auch ein Stück weit der Weg zu meinen Erfolgen.“

Doch jetzt heißt es zuerst: Lernen, Matura schreiben und die Schule abschließen. Mit ihren gerade einmal 19 Jahren, hat Jeannine aber ganz sicher noch eine lange und große Karriere vor sich.

Um auch andere Sporter:innen auf ihren Wegen zu unterstützen und zu motivieren wollte sie ihnen Folgendes mitgeben: „Nicht nur trainieren und durchhalten, sondern vor allem – Spaß haben! Und das richtige Umfeld wählen mit einer Schule, die einen unterstützt und Menschen, die hinter einem stehen.“

Danke liebe Jeannine für das tolle Interview, die interessanten Einblicke und deine Zeit! Wir gratulieren dir nochmal ganz herzlich zu deiner ersten Teilnahme bei den Olympischen Spielen und wünschen dir alles Gute für die Zukunft!

Bilder: GEPA Pictures / Land Tirol